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Diverses Rekrutieren einfach gestalten

Was macht den Recruiting-Prozess bei Socialbee so besonders?
#RealityCheck mit Sasheen Teisner.

Sasheen, du begleitest Socialbee schon ziemlich lange. Was macht den Recruiting-Prozess so besonders?

Wahrscheinlich, dass wir eigentlich fast jedem die Chance geben für ein Vorstellungsgespräch. Wir haben zwar ein paar Anforderungen, aber die sind sehr niederschwellig. Natürlich auch der zweite Termin, das Jobgespräch mit dem anschließenden Video, dass wir mit Talentcube drehen. Hier müssen unsere Bewerber drei Fragen per Video beantworten. In Kombination mit ihrem Lebenslauf erstellen wir ein individualisiertes Bewerberprofil, dass wir den Partnerunternehmen schicken. Diese Art von Präsentation ist besonders wichtig für die Firmen. Sie erhalten nicht nur einen standardisierten Lebenslauf und das sticht raus!

Wie unterscheiden sich diese Profile von typischen Bewerbungsunterlagen?

Natürlich ist in den Profilen von Socialbee die Berufserfahrung aufgelistet. Aber sie ist unterteilt in Heimat und in Deutschland. Diese Unterscheidung stellen wir auch visuell mit einer Grafik dar, die den Fluchtweg und die verschiedenen Stationen zeigt. Außerdem  befindet sich auf der zweiten Seite das schon erwähnte Talentcube Video. So hat der HR’ler der Partnerfirma einen persönlichen Eindruck vom Bewerber und kann sich selbst ein Bild von den Deutschkenntnissen machen. Jedes Profil wirkt daher sehr einzigartig und perfekt abgestimmt auf den Bewerber.

Welche Vorteile haben Geflüchtete durch das Modell der sozialen Zeitarbeit?

Es gibt viele! Erstens ist es bei uns einfach, sich zu bewerben und ein Vorstellungsgespräch zu bekommen. Der Kern unseres Konzepts ist, dass Geflüchtete zusätzlich zur Anstellung, Betreuung und Beratung von unseren Integrationsmanagern erhalten. Gerade asylrechtliche Themen decken wir ab. Das ist bei der normalen Zeitarbeit nicht der Fall. Letztendlich streben wir die Übernahme in Festanstellung bei den Partnerunternehmen an. Von diesem nachhaltigen Ansatz profitieren die Geflüchteten auf jeden Fall.

 Gibt es auch Vorteile, die sie von eurem besonderen Recruitingansatz ziehen?

Ja! Bewerber können uns Anfragen auch direkt per WhatsApp schicken. Wir wollen die Kontaktaufnahme so einfach wie möglich gestalten.

Oft drücken wir auch ein Auge zu. Wir geben fast jedem die Chance, zum Bewerbungsgespräch zu kommen. So lernen Sie auch, wie ein Bewerbungsprozess in Deutschland abläuft. Wir wollen, dass jeder etwas mitnimmt aus dem Erlebnis, sei es auch nur “Hey, so sollte ich mich bei einem Vorstellungsgespräch anscheinend nicht benehmen. Das nehme ich mir mit für das Nächste”. 

Sasheen, Zeit für Real Talk! Du hast schon einiges gesehen. Welche Erinnerungen hast du noch von lustigen Bewerbungsgesprächen?

Dieses Jahr haben wir wegen der Corona-Situation viele Video-Interviews geführt. Dann war es halt lustig, wenn mal die ganze Familie vor der Kamera saß. Oder der eine Bewerber, der nicht wusste, dass es ein Video-Interview war. Da habe ich ganze die Zeit nur sein Ohr gesehen. Ich hatte ihn auch darauf angesprochen, was nicht wirklich bei ihm ankam. Daraufhin habe ich ihn ganz normal telefonisch angerufen, wie als wäre nichts gewesen. Für uns sind Videocalls Alltag, aber für eine Person, die sowieso schon in wenigen Interviews saß, ist dies natürlich eine zusätzliche Hürde. Alles hat seinen Grund.

Wie reagierst du bei solchen Ausnahmesituationen?

Ich habe meinen roten Faden, an den ich mich versuche zu halten. Wir haben ja auch einen Socialbee Leitfaden, an den ich mich richte. Klar passe ich den auch, je nach Gespräch und je nachdem wie die Person sich verhält, an. Aber ich versuche immer auf die Fragen zurückzukommen. Zu Beginn stelle ich mich vor, dann geht es um das Konzept von Socialbee und um die Berufserfahrung des Bewerbers. Zuletzt schauen wir welcher Job passen würde. Das ist der grobe Ablauf. Wir merken auch, dass es gut für die Bewerber ist, diese Struktur zu haben. Im Voraus erhalten sie auch eine Grafik, die die wichtigsten Punkte visualisiert.

Diverses rekrutieren muss gelehrt sein! Was würdest du HR Verantwortlichen hier gern mitteilen?

Man sollte offen sein! Im Laufe des Interviews ist es wichtig zu reflektieren und zu hinterfragen, wieso genau diese und jene Frage von den Bewerbern kommen. Zum Beispiel, wenn jemand sagt, dass er nicht in der Küche arbeiten möchte. Dann sollte man konkret nachfragen, warum das so ist. “Liegt das vielleicht an deiner Religion, weil du kein Schweinefleisch oder Alkohol anfassen kannst?” 

Ich empfehle den wirklichen Grund herauszufinden und einen Kompromiss zu suchen. Der Bewerber muss nicht, aufgrund eigenem Unwissen, als nicht passend abgestempelt werden.

Ich versuche offen und ehrlich zu fragen. Klar gibt es auch Themen, die zu persönlich sind. 

Zum Beispiel hacken wir nicht die Lücken im Lebenslauf nach, da oft Fluchtkonsequenzen diese bedingen. Das kann sehr emotional aufwühlend für manche Bewerber sein.

Das Thema Diversity wird bei Socialbee groß geschrieben. Was denkst du können Personaler in ganz Deutschland hier von uns lernen?

Es geht wieder um das Gleiche: viel offener zu sein. Vielleicht sollte man überhaupt erstmal hinterfragen, wieso man nicht divers einstellt als Personaler. Vielleicht braucht es eine Analyse, die herausfindet, was die Hürden oder Probleme sind. Es könnte sein, dass man ja einfach Unterstützung bei diesem Thema braucht. Das ist ok. Es ist auch wichtig, sich die Hilfe zu holen. Dabei werden viele merken, dass diverses Rekrutieren nicht so schwer ist. Viele denken, dass alle Geflüchteten nicht arbeiten dürfen, dabei stimmt das gar nicht. Anerkannte Geflüchtete können und dürfen sofort arbeiten. Im Recruitingprozess sollte es daher keinen großen Unterschied zu deutschen Bürgern geben. Für die Menschen ohne Arbeitserlaubnis muss härter gekämpft werden. Ein Personaler muss sich nur kurz die Zeit nehmen, um den Ablauf zu verstehen. Das lohnt sich auf jeden Fall und hilft jedem.

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