Sajida Afzal

Sajida Afzal

Sie betreut und berät bei Social-Bee die geflüchteten Mitarbeiter während des einjährigen Integrationsprogramms, das der fachlichen und persönlichen Entwicklung dient. Die Geflüchteten können sich mit allen Themen rund um ihr Berufsleben, aber auch mit Alltagsfragen an sie wenden.

Was passiert, wenn eine Abschiebung droht?

Sebastian Halden

Das Social-Bee Team konnte im März verhindern, dass ein gut integrierter Mann aus Nigeria abgeschoben wird. Innerhalb eines Tages wurde dazu eine Task Force in Gang gesetzt. Was ist passiert?

Einer unserer Mitarbeiter bekam vom BAMF einen negativen Asylbescheid, den zweiten und damit endgültigen. Das bedeutet, dass die Duldung ausläuft und er abgeschoben werden kann. Gleichzeitig gab es aber keine Klarheit über die Arbeitserlaubnis. Da setzen wir als Arbeitgeber an. Ahmed war gut im Unternehmen eingearbeitet und ein geschätzter Mitarbeiter, die Übernahme und der Ausbildungsbeginn standen kurz bevor. Das ist in erster Linie schlimm für den Mitarbeiter, aber auch für Firmen problematisch, die sich engagieren. Denn sie werden mit so einem Vorgehen ja bestraft. Damit werden die ganze Einarbeitung und Mitarbeiterentwicklung zunichte gemacht.

 

Wir wussten, es geht jetzt um Stunden. Also haben wir den Fall auf die Tagesordnung gesetzt und uns aufgeteilt: der zuständige Integrationsmanager hat den Mitarbeiter über das Vorgehen informiert und den Anwalt hinzugezogen, der Kundenbetreuer kontaktierte das Einsatzunternehmen und holte eine unterstützende Stellungnahme ein. Dazu wurde auch gleich der Ausbildungsvertrag aufgesetzt, der umgehend an die IHK ging zum sofortigen Unterschreiben. Währenddessen brachte ein Mitarbeiter die Antragsdokumente persönlich zum Landratsamt. Zeitgleich haben wir den Bayerischen Staatssekretär eingeschaltet. Da haben wir einen Kontakt, bei dem wir uns melden sollen, wenn unseren Leuten eine Abschiebung droht. Dabei ist es entscheidend, die jeweiligen Stellen zu informieren, wer bereits involviert ist und welche Schritte gerade unternommen werden. Innerhalb eines Tages hatten wir die Schlüsselmaßnahmen am Laufen.

 

 

Warum teilt Ihr nicht einfach Eure Kontaktliste mit der Firma?

 

Es macht einen Unterschied, ob man die Ansprechpartner bereits kennt oder nicht. Vor allem haben wir Erfahrung mit der Koordination und der Vorgehensweise. Wir haben sehr konzertiert alle Hebel in Bewegung gesetzt und während ein paar intensiver Tage die entsprechenden Schritte nachgelegt. Es ist schon enorm, dass wir in weniger als einer Woche den allseitig unterschriebenen Ausbildungsvertrag vorliegen hatten. Der Ausbildungsantritt muss vor dem Eintreffen des Abschiebebescheids liegen. Mal ehrlich, welche Personalabteilung kann es sich leisten, in so einem Fall das Tagesgeschäft einzustellen und sich mit dieser gebündelten Kraft um die erforderlichen Dokumente und Anträge zu kümmern? Noch dazu mit ungewissem Ausgang. Wir verstehen es als Dienstleistung für die Geflüchteten und für Betriebe, dass wir die richtigen Prozesse einleiten, alle Beteiligten laufend über jeden Schritt informieren und damit denen helfen, die an Integration interessiert sind und ganz konkret den Firmen Sicherheit bieten, die Fachkräfte ausbilden wollen.

 

 

Ihr habt doch einige Kandidaten in der Datenbank. Warum nicht einfach jemand anderen einsetzen anstatt mit den Behörden zu ringen? Ist das normal für Euch?

 

Ja, dafür stehen wir bei Social-Bee. Wir versuchen, für jeden unserer Leute einzustehen und auch für ihre Rechte zu kämpfen. Speziell dieser Mitarbeiter hatte sich aber durch den Einsatz über Social-Bee im Unternehmen bewährt und eine Perspektive erarbeitet. Er hat in der Zeit sein Deutsch erheblich verbessert und eine vorbildliche Arbeitshaltung gezeigt, ein echtes Vorbild. Wenn jemand wie Ahmed abgeschoben wird, dann ist das enorm demotivierend auch für andere, die den Sprung aus der Arbeitslosigkeit nicht wagen oder sich fragen, warum sie sich bemühen sollten. Und auch unser Partnerunternehmen hätte womöglich nicht mehr über uns angestellt nach einer abschreckenden Erfahrung.

 

 

Hängt Ihr Euch deswegen so rein, wenn Abschiebung droht?

 

 

Wir wollen Fairness. Daher setzen wir uns dafür ein, dass Menschen ihren rechtlichen Rahmen kennen und die bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen. Wer hierbleiben und arbeiten darf, das entscheidet letztlich das Gesetz und wie die zuständigen Behörden es anwenden. Das liegt nicht in unserer Hand. Was wir aber immer wollen, ist Rechtsstaatlichkeit und dass Integrationsbemühung nicht nur gefordert, sondern ermöglicht und belohnt wird. Und ja, dafür hängen wir uns rein!

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